Kräuter erzählen.........

"Schwupps- und Löwenzahnbuch" stellen sich vor

 

Also sprach der Löwenzahn

Das Kräuter- und Pflanzenkochbuch

Vorwort

 

Ein Kochbuch. Schon wieder ein Kochbuch? Haben wir denn nicht schon genug davon? Schaut man sich in unseren realen und virtuellen Buchhandlungen der Städte und denen im Netz um, muss die Antwort eindeutig Ja lauten. Also, warum dann bitte noch eins mehr? Nun ja, erstens ist die Zeit reif für ein ungewöhnliches Kochbuch. Obwohl ihnen das wahrscheinlich jeder erzählt, der gerade ein Kochbuch herausbringt.

 

Zweitens haben viele Menschen nach dem Kräuterbuch „Schwupps, wir sind dann mal hier drin“ Kräuter erzählen Magisches und Kulinarisches danach gefragt. Sie müssen zugeben, das ist ein guter Grund. Und drittens, weil das Hirn der Autorin übersprudelt vor neuen Ideen und es sonst zu einem schrecklichen Hirn-Fantasie-Überdruck-Trauma kommen kann (eine wirklich widerliche Sache). Wer jetzt ein normales Standardwerk erwartet, wird zwangsläufig enttäuscht. Selbst wenn der vorherrschende Gedanke zu Beginn so war, haben sich während des Entstehungsprozesses immer wieder andere Aspekte eingeschlichen. Diese möchten auch erwähnt, benannt und erzählt werden. So erwartet den Leser, statt einer schlichten Rezeptsammlung, eine Reise zu den einzelnen Protagonisten des Buches, bei der es zu wundersamen Begegnungen kommt. Genussvolle Rezepte, Wissenswertes, Humorvolles und Außergewöhnliches hat so seinen Platz auf diesen Seiten gefunden.

 

In diesem Buch sind keine Superfoods aus fernen Ländern anzutreffen, die neuerdings in aller Munde sind und Heil gegen fast alle Krankheiten und Alterserscheinungen versprechen, sondern Pflanzen und Kräuter, die in unseren mitteleuropäischen Gefilden gut gedeihen. Sie sind preiswert oder warten uneigennützig und kostenlos am Wegesrand auf uns. Die Pflanzen, die hier vorgestellt werden, tragen alles in sich, was der Mensch benötigt, um gesund zu bleiben, seine Abwehrkräfte zu stärken und die Organe bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Darüber hinaus sind sie gut für die Umwelt und haben eine Ökobilanz, die jede Gojibeere aus Asien vor Neid erblassen lässt.

 

Ein schöner Gedanke nicht wahr? Dies sind jedoch nur die angenehmen Begleiterscheinungen und nicht die wichtigsten Gründe, warum Hanf, Holunder und ihre grünen Freunde auf diesen Seiten versammelt sind. Neben all den positiven Eigenschaften zeichnen sie sich vor allem durch ihren guten Geschmack aus, von dem sich der wehrte Leser mithilfe der Rezepte selbst überzeugen kann.

Einleitung

                                                                                                         

Zuerst konnte ich es gar nicht glauben, als Frau Autorin mich ansprach und mir diesen Job anbot. In der Welt der Menschen finde ich ansonsten kaum Beachtung. Im Gegenteil, meist werde ich als sogenanntes Unkraut beschimpft und man versucht mir oft genug den Gar auszumachen. So etwas würde der Verfasserin dieses Buches nie in den Sinn kommen. Sie zählt zu den Menschen, die mich schätzen und achten. Daher fühle ich mich entsprechend geehrt, diese Aufgabe zu übernehmen.

Aber von vorne. Ich darf mich Ihnen vorstellen: Löwenzahn mein Name, auch Seichkraut oder Taraxacum officinale genannt und seit Jahrzehnten mit der Verfasserin dieses Werkes eng befreundet. Wir haben schon so manches kulinarische und gesundheitliche Experiment miteinander erlebt, mal mit mehr, mal mit mäßigerem Erfolg, immer aber mit großer Hingabe und Freude an der Sache.

Nun wollte sie gerne ein Kochbuch schreiben. Es sollte anders sein, keine einfache Auflistung von Rezepten, nein, so einfach macht sie es sich nicht. Sie dachte, es sei bestimmt viel interessanter und aufschlussreicher, bestimmte Gewächse in diesem Buch ausführlicher zu beschreiben. Und ich, der ich ja nun mal mit allen Pflanzen, Sträuchern und Bäumen sprechen kann, sollte die Aufgabe eines Pflanzenreporters übernehmen und mit jedem der Protagonisten, sprich Zutaten, ein Interview führen. So erfährt der Leser aus erster Hand, warum bestimmte Gewürze und Pflanzen besonders wichtig und wertvoll sind und welche Geschichte sich hinter so manch unscheinbarem Kraut verbirgt; mit wem sie gerne in einen Topf geworfen werden und welche Vorlieben sie haben; wo sie sesshaft sind und welche kleinen oder großen Geheimnisse sie bereit sind auszuplaudern.

Es war nicht immer ganz einfach, aber ich habe die Herausforderung angenommen und mein Bestes gegeben. Dann hat Frau Autorin, ganz im Stil einer kulinarischen Heldin mit dem Verdienstkreuz des gusseisernen Bräters, mutige neue Kreationen und schlichte Köstlichkeiten entwickelt, sie auf Herz und Nieren geprüft, dabei viele Testesser verschlissen und mindestens genauso viele neue Essfans hinzugewonnen. Aber die Mühe hat sich gelohnt, denn nur die Rezepte mit dem Prädikat „besonders genussvoll“ haben den Weg in dieses Buch gefunden.

Kommen Sie mit und begleiten mich auf meiner Reise zu den grünen Hauptdarstellern der der folgenden Seiten und überzeugen Sie sich selbst.

 

Hier nun eine kleine Leseprobe, aus dem Buch "Schwupps, wir sind dann mal hier drin"

Einleitung

In diesem Buch ergreift eine Auswahl an Wildpflanzen „fabelhaft“ das Wort. Sie beschreiben sich selbst auf besondere, persönliche und manchmal auch ironische Art und Weise. Oft verkanntes „Unkraut“ verteidigt seine Daseinsberechtigung und anerkannte Heilkräuter betonen ihre Vorzüge. Kombiniert ist dies mit kleinen Ausflügen in die Welt der Magie und des Sagenhaften.

Jedes Pflanzenportrait beginnt mit einer Zeichnung, gefolgt von intimen, augenzwinkernden Geständnissen, die uns Menschen so manches mal den Spiegel vorhalten. Im Anschluss erfährt der Leser, wann und wo er besagte Pflanzen finden, ernten und verarbeiten kann. Kulinarisch abgerundet wird jedes Portrait durch vielseitige und köstliche Rezepte.

Dieses Buch wendet sich an alle, für die Brennnessel und Co. kein Unkraut ist und denen es Freude bereitet, die Verwendbarkeit von Pflanzen und das Leben allgemein einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten, mit Humor.

Jedem Monat des Jahres werden vier Pflanzen zugeordnet. Dem vorangestellt ist jeweils ein Monatsblatt mit geistigen und körperlichen Übungen, die der Energie des Monats entsprechen. Die Pflanzenzuordnung folgt nicht den strengen Richtlinien der Blüte- oder Erntezeit, sondern vielmehr dem, was die Pflanzen der Autorin zugeflüstert haben.

 Februar      

 

Langsames Erwachen – beginnende Unruhe – Kräfte sammeln für den Neubeginn – Sehnsucht nach Licht und Wärme, nach Gesellschaft und Austausch

 

  Bilsenkraut  *  Fingerhut  *  Schierling        *  Tollkirsche 

 

Körperübung „Sterne vom Himmel holen“

Die Beine schulterbreit auseinander stellen, die Arme nach oben strecken und abwechselnd mit jeder Hand die Sterne vom Himmel pflücken. Erst gerade nach oben recken, dann den Oberkörper leicht nach links beugen und den rechten Arm ebenfalls in diese Richtung strecken. Nun den Oberkörper zur anderen Seite beugen und den linken Arm in diese Richtung strecken. Danach wieder mittig nach oben. Man fühlt sich gleich viel munterer und ist bestimmt auch Nullkommafünf Zentimeter größer als vorher.

 

Mentalübung „Perpetuum mobile“

Eine Übung, die morgens nach dem Aufwachen ganz hervorragend wirkt. Man bleibt im Bett liegen, atmet ruhig und tief. Vor dem inneren Auge erscheint nun der eigene Körper als eine wunderschöne, wohlgeformte, glänzende, jedoch noch schlafende Maschine, an deren Seite ein verzierter silberner Hebel angebracht ist. Bewegt man den Hebel nach oben, spürt man, wie diese schöne Maschine sofort von lebendiger und kraftvoller Energie durchströmt wird und mit sanften, wohlklingenden Geräuschen zum Leben erwacht. Alles bewegt sich rhythmisch, und man fühlt, wie viel Freude dabei freigesetzt wird, ist munter, wach und voller Elan für einen neuen Tag.

 

Schwarze Tollkirsche (Atropa belladonna)

D

er Sage nach wurde ich nach einer griechischen Schicksalsgöttin, Atropa der Grausamen benannt, welche die Fähigkeit besaß, den Lebensfaden zu durchtrennen. Schon damals hat man meine großartigen und auch meine grausamen Wirkungsmöglichkeiten gekannt. Ich bin die, die einem Menschen das Leben ebenso leicht nehmen, wie auch wieder schenken kann. Ich bin Mord- und Heilmittel zugleich. Und dieses Gift verteile ich sehr unterschiedlich in mir. Kurz vor der Blüte ist es in den Blättern und Stängeln am stärksten vorhanden. Sobald meine Früchte reif sind, konzentriere ich meine vernichtende Kraft in ihnen. Aber vernichtend bin ich nur für jene, die mich nicht richtig anzuwenden wissen; mit meiner Hilfe können unliebsame Mitmenschen gezielt aus dem Weg geräumt werden. Du glaubst, das sei alles nur dummes Gerede von gestern und heutzutage geschehe so etwas nicht mehr? Da kann ich ja nur herzlich lachen. Wenn ich anfangen würde, aus dem Kräuternähkästchen zu plaudern, würdet ihr staunen. Aber die Seiten dieses Buches reichten lange nicht aus, die Dinge zu enthüllen, die ich weiß, und wahrscheinlich ist das auch gut so. Aus diesem Grund werde ich mich auf die Dinge beschränken, die nicht gefährlich sind und Dinge wie die Rezeptur der magischen „Flugsalbe“ verschweigen. Oh ja, auch heute noch wird sie mancherorts angewendet. Aber ich glaube, ich erinnere mich auch gar nicht mehr so genau an die Zusammensetzung.

Ihr versucht, meine Wirkungsweise auf die unterschiedlichsten Arten zu nutzen: In die Augen getropft, weite ich die Pupillen und sorge ich für einen verführerischen Blick. In der Heilkunde und auch als Bierzusatz wurde ich verwendet. Ich kann als Abortivum Leben nehmen und es als Gegengift bei Fliegenpilzvergiftungen wieder schenken. In Mexiko hat man meine Blätter geraucht, was nicht selten zum Irrsinn führte, und als Aphrodisiakum beschere ich euch erotische Träume. Sogar bei der Parkinson-Krankheit hat man mich schon eingesetzt.

Neben der körperlichen gibt es noch eine weitere, nicht so direkt fassbare Ebene. Die Chinesen nennen sie Chi und meinen damit den Lebensatem oder die Lebenskraft, die den Menschen innewohnt. Auch wir Pflanzen haben so etwas. Meine ähnelt dem weiblichen Prinzip; auch ich agiere in rhythmischen Wellen, bin grausam und schön zugleich, verführe und vernichte. Ich kann weibliche Macht verstärken und gleichzeitig einen losgelösten Blick auf die Wirklichkeit schenken – aber nur, wenn ihr mich in homöopathischen Dosen verwendet oder vor meinem Bild meditiert.

Manche von euch halten mich für eine Pflanze des Teufels, die durch und durch schlecht und grausam ist. Das trifft in meinem Fall jedoch genauso wenig zu wie bei euch Menschen oder bei anderen Dingen. Ein Messer ist auch einfach nur ein Messer. Damit kannst du in der Küchen Zwiebeln schneiden oder deinen Nachbarn umbringen, Heiligenfiguren schnitzen oder dir die Pulsadern aufschneiden. Du verstehst, worauf ich hinauswill? Das Messer kann nichts für das, was du mit ihm machst; es deshalb zu verurteilen, ist ebenso falsch wie mich als eine Pflanze des Teufels zu bezeichnen.

Nun fällt mir auch wieder ein, wieso ich vorhin auf die Flugsalbe gekommen bin. Einer von euch wollte doch das Rezept von mir haben. Manche Menschen sprechen mich an, wenn sie mir auf ihren Spaziergängen begegnen. Also, das ist alles schon so lange her, ich weiß wirklich nicht, ob ich das noch zusammen bekomme in meinem Pflanzenhirn. Ich glaube, es war so: ein Teil Bilsenkraut mit zwei Teilen Schlafmohn zermörsert und dann…hm, wie ging`s weiter? Ach ja, zwei Teile Fliegenpilz, nein falsch, der Schierling und meine Wenigkeit, wir müssen dazu, nicht der Fliegenpilz. Hat man das Ganze dann zusammen mit Fledermausblut vermischt oder war das die Geschichte mit den Vampiren? Kinder, Kinder, ich fürchte, ich krieg das nicht mehr ganz zusammen, oder doch? Wartet, ich denke noch mal nach…..in jedem Fall kamen die Kräuter in den Mörser und wurden dann mit einer Flüssigkeit vermischt, die recht zäh war, Öl, Fett, Menstruationsblut, am besten von einer Jungfrau, glaub ich. Ha, jetzt weiß ich es wieder: das mit der Jungfrau war immer das Problem, deshalb hat es so selten funktioniert. Also lassen wir es besser.

 

 

Weitere Bezeichnungen

Teufelskirsche, Dollwurz, Wolfsbeere, Schwindelkirsche, Wutbeere, Waldnachtschatten

 

Wann und Wo

Der unscheinbare mehrjährige Strauch mit seinen hübsch anzusehenden, jedoch sehr giftigen, glockenartigen Blüten und dunklen Beeren blüht von Juni bis August in ganz Mitteleuropa. Er kann über einen Meter hoch werden und bevorzugt warme Waldränder sowie Lichtungen und Kahlschläge in Laub- und Mischwäldern.

 

Ernten und Verarbeiten

Davon sei jedem Laien dringend abgeraten, da alle Pflanzenteile giftig sind und schon 3 bis 5 Kirschen bei Kindern und 10 bis 20 bei Erwachsenen zum Tode durch Atemlähmung führen können. Also bitte, falls man einen solchen Strauch findet: anschauen, seine Schönheit bewundern und es dabei belassen.

 

Anwendungsbeispiele

Mannigfaltig waren die Verwendungszwecke der Tollkirsche in früherer Zeit. Man verabreichte sie Angeklagten in Hexenprozessen, um ein Geständnis zu erzwingen, Frauen tropften sich die Flüssigkeit in die Augen, um schöne große Pupillen zu bekommen, und auch als Bestandteil der Hexenflugsalbe war sie unentbehrlich.

 

Für die Gesunderhaltung

Heute wird die Tollkirsche in der Homöopathie unter anderem bei Parkinson und Epilepsie angewendet und zu militärischen Zwecken als Gegengift zu Nervengas eingesetzt. Auch in der Augenheilkunde spielt sie eine große Rolle.

 

Für den Genuss

Für einen eher fragwürdigen Genuss setzte man in alter Zeit Tollkirschensaft Bier und dem Wein zu. Da eine Tollkirschenvergiftung neben Mundtrockenheit und Pulsbeschleunigung auch teils erotische Wahnvorstellungen hervorrufen kann, ist es durchaus denkbar, dass man nach einem Abend mit solchen Getränken lieber nicht mehr an die Einzelheiten erinnert werden wollte, falls man ihn überlebt hat.

 

Magie

Wie schon erwähnt, ist die Tollkirsche einer der wichtigsten Bestandteile der Hexenflugsalbe. Hatte eine Hexe sich die Salbe auf die Haut aufgetragen, wurden nicht selten Wahnvorstellungen hervorgerufen, beispielsweise die, fliegen zu können .